Seit Jahrhunderten lassen Maler gerade bei der Darstellung von Frauen die Pracht der Blüten sprechen: Die weiße Lilie wird zum Symbol für weibliche Unschuld, Seerosen unterstreichen die sinnliche Verführungskraft, Lotos und Jasmin erzählen von exotischer Schönheit. Der britische Maler John William Waterhouse (1849-1917) spezialisierte sich auf symbolistische, romantische Szenerien und junge Frauen in wallenden Gewändern, die bereits auf den Jugendstil vorausweisen. Seine Wurzeln sah er bei den Präraffaeliten, heute gilt er als einer der großen Meister des Fin de Siècle, dem ein gewisser Hang zum Eskapismus vor der modernen Welt nicht fremd war. Dekorativ und farbenprächtig sind seine Bilder allemal, wie auch an diesem Puzzlemotiv deutlich wird. Waterhouses Kunst spiegelt jedoch nicht nur sein durchaus differenziertes Ideal der weiblichen Schönheit wider, sondern auch seine lebenslange Faszination der romantischen und symbolistischen Themen wie Leidenschaft, Magie und Verwandlung auf geistiger, erotischer und physischer Ebene. Das Ölgemälde »The Soul of the Rose« entstand 1908 und befindet sich heute in Privatbesitz. Im Gegensatz zu einem Großteil der anderen Werke Waterhouses ist »Die Seele der Rose« keine Szene aus einer berühmten oder alten Liebesgeschichte. Stattdessen handelt es sich um die Studie einer Frau in einem Garten, die vermutlich auf dem Werk von Alfred Lord Tennyson basiert. Doch auch hier schwingen Themen wie verlorene oder unerwiderte Liebe mit. Zurückhaltende Sexualität und die Sehnsucht nach einer unsichtbaren Liebe sind zentrale Themen in »The Soul of the Rose«. Der Künstler porträtiert die Frau auf dem Bild ohne offensichtliche Sexualität, aber ihre Position an der Wand und ihre zarte Hand deuten auf eine subtile Sinnlichkeit hin.